• Stephanie

Die Angst vor der Reichweite von Elektrofahrzeugen ist real

Aktualisiert: Nov 12



Wie weit kannst Du mit Deinem Elektrofahrzeug wirklich fahren? Jüngste Studien zeigen, dass Menschen nahezu Panik haben, dass ihnen mitten im Nirgendwo der Strom ausgeht oder dass sie regelmäßig für längere Zeit anhalten müssen, um die Batterien ihrer E-Autos wieder aufzuladen. Aber wie sieht es in der Realität wirklich aus? Ist die Angst vor der Reichweite noch legitim oder gehört sie der Vergangenheit an? Fakt ist, dass die Reichweite von Elektrofahrzeugen bereits heute die Bedürfnisse der meisten Autofahrer übertrifft. Denn Statistiken zufolge fahren die meisten Menschen durchschnittlich nicht mehr als 150 km am Tag.

Allerdings ist es auch ein Fakt, dass die Reichweitenangst zu einem der wichtigsten Hindernisse für die großflächige Einführung von Elektroautos ist. Volvo hat sogar festgestellt, dass 58 % der Autofahrer sagen, dass die Angst vor der Reichweite ein Hindernis für den Kauf eines Elektroautos ist. Der Hersteller berichtet auch, dass 65 % der Fahrer von Elektrofahrzeugen beim Kauf eines Elektrofahrzeugs Angst vor der Reichweite hatten, dieses Gefühl jedoch sehr schnell nach ein paar Fahrten verschwindet. Aber was ist der Grund für den Sinneswandel?

Es gilt als gesichert, dass die Elektrofahrzeuge bereits heute die Bedürfnisse der meisten Fahrer überteffen. Denn 8 von 10 Autofahrern legen täglich weniger als 100 km zurück. Eine Studie, die an 632.186 Fahrzeugen europaweit durchgeführt wurde, zeigt, dass 8 von 10 Fahrern weniger als 100 km pro Tag zurücklegen. Dieselbe Studie zeigt auch, dass 6 von 10 Autofahrern täglich weniger als 50 km zurücklegen.


Da die meisten Elektroautos durchschnittlich 300 km mit einer einzigen Ladung zurücklegen können, bedeutet dies, dass Elektroautos die Bedürfnisse der meisten Fahrer bereits übertreffen. In der Anwendung reicht für EV-Fahrer, die ihr Auto täglich benutzen, ein effizientes Ladegerät zu Hause – und/oder am Arbeitsplatz – aus, um das Risiko eines Stromausfalls auszuschließen. Da die Zahl der Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen exponentiell wächst, steigen auch die Investitionen zur Erhöhung der Reichweite. Modelle von weltbekannten Herstellern wie Kia, Hyundai oder Audi können jetzt mit einer einzigen Ladung über 400 km zurücklegen. Das neueste Tesla Model S Long-Range kann mit voller Ladung sogar 610 km weit fahren. Wie bei jedem anderen Fahrzeugtyp müssen EV-Fahrer jetzt anhalten, um ihre Batterien aufzuladen. Auch hier sehen wir einen technologischen Fortschritt, da die Ladezeiten immer kürzer werden.


HPC - Powerladen in 30 Minuten

Dank der neuesten High Power Charging Stations (oder HPC) kann man den Akku seines Wagens während eines 30-Minuten-Stopps komplett aufladen. Die HPC-Technologie hebt das Schnellladen auf ein ganz neues Level. Von 50 Kilowatt bis 150-350 Kilowatt kann HPC im Durchschnitt 3 bis 7 Mal schneller laden als normale Schnellladestationen. Dieser Durchbruch ermöglicht Besitzern aktueller Modelle wie dem Volkswagen ID.3, Audi e-Tron, dem Porsche Taycan, dem Tesla Model 3 oder dem Peugeot e-208, die Ladezeit um bis zu 70 % zu verkürzen – alle unter Ausnutzung der HPC-Technologie. So sank beispielsweise die durchschnittliche Ladezeit eines Audi e-Tron von über 90 Minuten auf unter 30 Minuten.

19 Ladepunkte pro 100 km europaweit

Die Zahl der öffentlichen Ladestationen in Europa hat sich zwischen 2011 und 2020 um ein 84faches vervielfacht. Und wir stehen erst am Anfang einer neuen Ära der Elektrofahrzeuge. Auch die Reichweitenangst hat ihre Wurzeln in einem Infrastrukturproblem, das in Wirklichkeit der Vergangenheit angehört. Ladeinfrastrukturen sind in Ländern, in denen sich der EV-Markt schnell entwickelt, bereits weit verbreitet. Im Jahr 2020 gab es in der EU über 200 000 öffentliche Ladepunkte sowie durchschnittlich 19 öffentliche Schnellladepunkte pro 100 km auf europäischen Autobahnen, die Langstreckenfahrern Sicherheit und Komfort bieten. Natürlich steigt mit der Zahl der E-Auto-Besitzer auch der Bedarf an Schnellladestationen. Wir wissen, dass unser derzeitiges Infrastrukturnetzwerk die exponentiell schnell wachsende Einführung von Elektrofahrzeugen, die wir in den nächsten Jahrzehnten erwarten, nicht aufrechterhalten kann und es deshalb zum rapiden Ausbau kommen wird. Denn nach Berechnungen der Europäischen Kommission werden wir bis zum Jahr 2030 allein in Europa 3 Millionen öffentlich zugängliche Ladepunkte benötigen. Das ist 15x mehr als derzeit.


Glücklicherweise sind wir in einer großartigen Position, dieses Ziel zu ereichen. Denn sowohl öffentliche als auch private Investitionen zum Aufbau der Infrastruktur von morgen nehmen zu. Und die erforderliche Aufladeinfrastruktur ist ein wichtiger Bestandteil der von den europäischen und asiatischen Regierungen angekündigten Konjunkturpakete. 2020 hat die Europäische Union mit NextGenerationEU ein 750 Milliarden Euro teures „Green Stimulus“-Projekt vorgestellt. Diese europaweite Anstrengung zum Neustart der lokalen Wirtschaft inmitten der COVID-19-Pandemie umfasst auch ein 20-Milliarden-Euro-Paket, um den Verkauf saubererer Fahrzeuge zu unterstützen und bis 2025 eine Million Ladestationen für Elektro- und Wasserstofffahrzeuge zu installieren. Wie wird es vor Ort aussehen? Eine konkrete Aufschlüsselung dieses Plans finden wir bei uns in Deutschland!


Der deutsche grünen Stimulus

Die Bundesregierung hat im Jahr 2020 einen 130-Milliarden-Euro-Konjunkturimpuls vorgelegt. Darin enthalten sind unter anderem 2,5-Milliarden-Euro-Investitionen zur Unterstützung des Ausbaus von Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge und ein 2-Milliarden-Euro-Programm zur Stimulierung nachhaltiger Investitionen in die Automobilindustrie. Die Europäische Kommission hat die Bedeutung von Elektrofahrzeugen in ihrer Green Finance Taxonomie hervorgehoben und berichtet, dass ab 2026 nur noch Autos, die kein CO2 ausstoßen, als nachhaltige Investition gelten. Deutschland strebt an, bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte zu installieren – zurzeit sind es 28 000. Wir kämpfen einen Wettlauf gegen die Zeit und allein das Geld oder die Anzahl der Schnellladestationen wird ohne internationale Vorschriften zur Standardisierung umweltfreundlicherer Konsumgewohnheiten kein Ergebnis liefern. Auch hier befinden wir uns in einer großartigen Position, um den Klimawandel zu bekämpfen, da führende Regierungen auf der ganzen Welt sich in eine Richtung zu bewegen scheinen, umso mehr, als die USA wieder dem Pariser Abkommen beigetreten sind.

So kann der Weg in die Elektrifizierung erfolgreich und emissionsfrei gegangen werden.


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